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Projektpartner

Eröffnungsvortrag 8. Oktober

von Akifra e.V.

Guten Abend, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Gäste und Freunde!

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Es ist mir eine große Freude, Sie im Namen von Akifra e.V., (der Aktionsgemeinschaft für Kinder- und Frauenrechte) zu dieser Benefizveranstaltung für Projekte gegen Menschenhandel begrüßen zu dürfen. Sie werden alle gespannt auf Günter Grass und Günter Baby Sommer warten. Das gilt auch für mich selbst. Dennoch ist es mir ein Anliegen, Ihnen in aller Kürze das Thema und eigentliche Ziel dieses Abends zu verdeutlichen. Denn mit dieser Veranstaltung, die unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Staatspräsidenten der Tschechischen Republik Vaclav Havel und der Menschenrechtsbeauftragten des Auswärtigen Amtes Claudia Roth steht, will Akifra ein Zeichen setzen gegen eine der fundamentalsten Menschenrechtsverletzungen unseres globalisierten Zeitalters: Menschenhandel ist organisierte Kriminalität und stellt einen schweren Verstoß gegen grundlegende Menschenrechte und die Menschenwürde dar.

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Drei Millionen Menschen aus Entwicklungs- und Transformationsländern werden jährlich nach Schätzungen Internationaler Organisationen in Industriestaaten gehandelt. Allein aus Osteuropa gelangen jedes Jahr etwa eine halbe Million Frauen nach Westeuropa. Hinter dem Begriff „Menschenhandel“ verbergen sich ebenso illegale wie lukrative Geschäfte: an ihrer Spitze die Zwangsprostitution, doch auch kommerzieller Organhandel, Zwangsdienstbarkeit sowie illegale Adoptions- und Heiratsgeschäfte leben von ‚gehandelten’ Menschen. Über die perfiden Methoden organisierter Händlerringe, über die falschen Versprechungen gegenüber zumeist jungen Frauen in wirtschaftlicher Not, über unwürdige Lebensumstände und brutale Misshandlungen dieser Menschen in ihren neuen Umgebungen, leider auch über mangelnde Sensibilität und teilweise auch Aktivität der zuständigen Behörden haben in den vergangenen Jahren Entwicklungsorganisationen und Medien erschreckende Berichte veröffentlicht.
Ich erinnere etwa an den Kinofilm „Lilia for ever“, der im vergangenen Jahr den durchaus an der Realität angelehnten Fall eines nach Schweden ‚gehandelten’ russischen Mädchens in einer beklemmenden Nahaufnahme inszenierte. Allein in deutschen Großstädten steht nach einer Schätzung des KOK mittlerweile etwa ein Viertel des Angebots an Prostitution in Verbindung mit Menschenhandel; konkret verbergen sich hinter einer solchen Schätzung Tausende verzweifelter und hoffnungsloser Schicksale überwiegend junger Menschen aus ärmerern Ländern.

Ich greife einen Fall auf, der sich vor unserer Haustür abgespielt hat und über den in der Presse berichtet worden ist. Am Landgericht Dresden beginnt am 2. November ein Gerichtsverfahren gegen eine Gruppe von Menschenhändlern, die Frauen aus Osteuropa in einer Wohnung in Radebeul gewaltsam festgehalten und zur Prostitution gezwungen haben. Die Hauptzeugin des Prozesses wurde schwerstens misshandelt und von der Polizei bei einer Razzia aufgegriffen. Der Fall selbst darf nur als einer von Tausenden vergleichbarer Fälle, als Spitze des Eisberges, angesehen werden; seine gerichtliche Aufarbeitung indessen bleibt bis heute die krasse Ausnahme.
Nur vereinzelt gelingt es Opfern, aus eigener Kraft zu fliehen oder den Mut aufzubringen, gegen ihre Peiniger auszusagen. Bei Polizeirazzien aufgegriffene Frauen sind meist traumatisiert, körperlich ruiniert und in aller Regel ohne die geringsten Deutschkenntnisse.
Nicht selten zum Drogenkonsum gezwungen und ohne Ausweispapiere, werden solche Frauen von der Polizei als Illegale behandelt und in ihre Heimatländer abgeschoben, wo für viele der Teufelskreislauf von sozialer Not und physischer Gewalt erneut beginnt. Nur 2 – 3 % aller betroffenen Zeuginnen findet jährlich Aufnahme in das polizeiliche Zeugenschutzprogramm.
Hilfsorganisationen und Opferanwälte versuchen hier in Deutschland, den Schutz und die Behandlung solch hilfloser Menschen zu verbessern. Dass in dem konkreten Dresdner Gerichtsverfahren ein Opfer gegen seine Peiniger aussagen wird, ist der Kooperation von Polizei, Staatsanwaltschaft und der Fachberatungsstelle Kobra e.V. zu verdanken. Kobra wird für Opfer des Menschenhandels in Sachsen dann aktiv, wenn die Polizei eine Frau als Opfer von Menschenhandel erkennt und an diese Beratungsstelle vermittelt: Sie betreut und berät die Opfer vor, während und nach den Gerichtsverhandlungen. Kobra leidet jedoch unter personellen und finanziellen Engpässen, die eine dringend notwendige Ausdehnung der Aktivitäten verhindert.
Akifra fordert deshalb die Sächsische Staatsregierung dazu auf, Fachberatungsstellen finanziell besser auszustatten und die Kooperation aller beteiligten Stellen im Sinne eines Netzwerkes anzuerkennen. Überdies fordern wir von der Staatsregierung die Unterstützung der Bundesrats-Initiative der bayrischen Justizministerin Dr. Beate Merk, welche eine Strafverfolgung von Freiern vorsieht, die bewusst Zwangsprostituierte nachfragen oder zumindest damit rechnen müssen, dass es sich um Opfer skrupelloser Krimineller handelt.
Zu unseren Forderungen gehören auch Maßnahmen zur Fortbildung von Polizisten und Staatsanwälten, die häufig über die Strukturen und Probleme des Menschenhandels nur unzureichend informiert sind, zudem ein verbesserter Zeuginnenschutz und eine engere Kooperation mit den Fachberatungsstellen bei der Strafverfolgung der Menschenhändler. Gute Informationssysteme und eine funktionierende Vernetzung und Zusammenarbeit dürfen nicht der organisierten Kriminalität vorbehalten bleiben, sie müssen auch von ihren Gegnern zu guten Zwecken genutzt werden!!
Aus diesem Grund steht die Kooperation mit Organisationen in den Heimatländern von betroffenen Frauen im Mittelpunkt der heutigen Benefizveranstaltung. Dort muss Aufklärungsarbeit geleistet werden, um potentielle Opfer über die Gefahren von dubiosen Jobangeboten und die Machenschaften internationaler Menschenhändler zu informieren und zu warnen. Mit den heute eingenommenen Spendengeldern wird Akifra schnell, unkonventionell und unbürokratisch zwei Organisationen in Bulgarien fördern. Die Mitarbeiter von Center Maria in Gorna Oryahovitsa und Demetra in Bourgas gehen in Schulen, veranstalten Seminare, diskutieren über den Menschenhandel in Jugendclubs gerade an sozialen Brennpunkten und drucken Plakate.
Wer weiss, wieviel Geld allein eine großräumig angelegte Plakatkampagne verschlingt, wird verstehen, dass dies nur ein Anfang ist. Aber gerade dieser Anfang ist für die Zukunft entscheidend. Ich möchte Ihnen dazu eine Passage aus dem Grußwort von Claudia Roth vorlesen: Es würde mich sehr freuen, wenn diese Lesung möglichst vielen Menschen die Dringlichkeit eines entschiedenen Eintretens gegen den Menschenhandel und für die Rechte seiner – meist weiblichen Opfer vor Augen führt. Mit Ihrer Anwesenheit – sehr geehrte Damen und Herren, leisten sie einen direkten Beitrag zur Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Initiativen in Bulgarien zur Bekämpfung des Frauenhandels. Ich wünsche mir, dass sie auch nach dieser Lesung dem Anliegen verbunden bleiben und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten dazu beitragen, Menschenhandel in jeder Form zu bekämpfen. - Zitat Ende

Ich darf hinzufügen: Wenn Sie sich dem Anliegen unseres Vereins, gegen Menschenrechtsverletzungen auf breiter Basis vorzugehen, verbunden fühlen, dann sind Sie uns - insbesondere als Fördermitglied - herzlich willkommen!
Uns liegt aber auch an einer engen Kooperation mit ähnlich gelagerten Initiativen: Bitte unterschreiben Sie deshalb auch die ausliegenden UNICEF-Unterschriftenlisten gegen Kinderhandel! Seit der Gründung im Jahre 2002 arbeiten bei Akifra etwa 30 ehrenamtliche Mitglieder. Unser wichtigstes Ziel ist die Unterstützung von Bildungsprojekten in Entwicklungs- und Transformationsländern, die vor Ort für Kinder- und Frauenrechte eintreten. Dafür haben wir bislang zwei Schwerpunkte gesetzt: einerseits ein Projekt gegen Menschenhandel, Zwangsprostitution und Kinderprostitution im deutsch-tschechischen Grenzgebiet und andererseits die Förderung verschiedener Frauengruppen in Kenia, die erfolgreich gegen die genitale Verstümmelung von Mädchen und für die Verbesserung der schulischen und medizinischen Versorgung arbeiten.
Zum Abschluss möchte ich all denen danken, die den heutigen Abend möglich gemacht haben. An erster Stelle Günter Grass und Günter Baby Sommer, die nicht nur spontan zu der heutigen Benefizveranstaltung bereit waren, sondern als Ehrenmitglieder von Akifra zugleich für die Arbeit unseres Vereins einen wichtigen Impuls gegeben haben. Dank auch an die Sponsoren für Spenden und unentgeltliche Leistungen: Hier wären die TU Dresden als Hausherr, das Studentenwerk Dresden und Ticket2day zu nennen. Vor allem aber auch Dank an die wirklich ungezählten Helferinnen und Helfer, die für den heutigen Abend teilweise seit Monaten gearbeitet haben. Ich möchte Ihnen zuletzt versichern: Gemeinnütziges Arbeiten kann trotz der ernsten Themen auch Spaß machen, wenn viele Menschen an einem Strang ziehen.

Vielen Dank!


Vorstand Akifra e.V. | Montag, 09. August 2004 | Dem Autor eine E-Mail senden | zurück | nach oben

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