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Typen Weiblicher Genitalverstümmelung


Bei der weiblichen Genitalverstümmelung handelt es sich um Eingriffe an den äußeren weiblichen Genitalien.

Typ I: Fast ausnahmslos wird die Klitoris zum Teil oder vollständig amputiert (Klitoridektomie).

Typ II: Bei der Exzision werden über eine teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris hinaus auch die inneren Labien (Schamlippen) zum Teil oder komplett herausgeschnitten. Es kommt vor, dass zusätzlich Haut und Gewebe aus der Vagina ausgeschabt werden (Introcision).

Typ III: In etwa 15 Prozent aller Fälle werden außerdem die äußeren Labien teilamputiert und über der Vagina so miteinander vernäht, dass lediglich eine reiskorngroße Öffnung für Urin und Menstruationsblut verbleibt (Infibulation). Diese als schwerste Form bezeichneter Typ III ist vorwiegend in Ostafrika verbreitet. In Somalia (so auch bei den in Kenia lebenden Somali) sind über 95% der Frauen infibuliert.

Typ IV: sind Mischformen (Ätzungen, Ritzungen, Schabungen teilweise ohne Vernähen u.s.w.), die nicht den ersten drei Typen zugeordnet werden können.

Verbreitung der FGM
Genitalverstümmelung ist in 28 afrikanischen Ländern, auf der arabischen Halbinsel (Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Jemen) und in Asien (Indonesien, Malaysia, Indien) und Europa verbreitet. Neueren Berichten der NGO WADI zufolge sind auch in Kurdistan und im Irak Frauen von FGM betroffen.

Begründungen
Es gibt verschiedenste Begründungen, die zur Rechtfertigung dieser Praktik angebracht werden. Sie variieren von einer ethnischen Gruppe zur anderen regional, beruhen zumeist auf Mythen und Überlieferungen, der Unkenntnis biologischer und medizinischer Fakten oder dem falsch interpretierten Islam.
„FGM ist ritualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen“, sagt Maria Nareku (kenianische Aktivistin / Expertin der TaskForce gegen FGM).

Folgen der Genitalverstümmelung
Die Verstümmelungen können bei Mädchen und Frauen lebenslang zu körperlichen, seelischen und sexuellen Problemen führen. Beeinträchtigungen der Lebensqualität und der Tod sind oftmals die Folgen.

Gesundheitliche Folgen:

  • ­Keloide (Narben,- und Hautwucherungen),
  • hoher Blutverlust und Blutarmut,
  • chronische Schmerzen,
  • bakterielle Infekte,
  • HIV-Übertragung bei der Genitalverstümmelung,
  • Fisteln (innere Verwachsungen) und Inkontinenz (was oft dazu führt, dass die nach Urin riechenden Frauen aus der sozialen Gemeinschaft verstoßen werden oder der Ehemann sie verlässt)
  • Sterilität.

Alle Verstümmelungen können zu Beschwerden beim Wasserlassen, Sexualverkehr und der Menstruation führen (Anstauung von Menstruationsblut bis in den Gebärmutterbereich und Infektionen sind häufige Konsequenzen). FGM stellt ein erhebliches Geburtsrisiko für Mutter und Kind dar. Der Geburtsvorgang ist verzögert, da das undehnbare Narbengewebe oft verhindert, dass sich der Geburtskanal weitet. Häufig leiden die Babys während der verzögerten Geburt an Sauerstoffmangel. Deshalb ist auch die Müttersterblichkeit und Kindersterblichkeit in den subsaharischen Ländern in denen FGM praktiziert wird die höchste weltweit.

Psychische Probleme
Darüber hinaus können durch FGM auch psychische Wunden entstehen, u.a. berichten unsere Aktivistinnen von Schlaf-, Ess- und Konzentrationsstörungen und Depressionen bis hin zum Suizid. Viele Frauen leiden an ihrem Trauma aufgrund der extremen Tabuisierung des Themas. Erst die Aufklärung und Mitarbeit in einer Frauengruppe schafft ein Forum, in dem sie langsam Vertrauen finden und z.B. für ihre Töchter Menschenrechte und Bildungsprojekte einfordern.

Akifra e.V. hat die Erfahrung gemacht, dass Traumaarbeit dann erfolgreich ist, wenn sich die Frauen aus der inaktiven Opferrolle in eine aktive Helferrolle begeben, die sowohl ein Vergeben (der Großmüttergeneration) als auch ein Schützen (der Töchtergeneration) möglich macht. Der Zusammenhang zwischen FGM und einer Unterprivilegierung dieser Frauen und Mädchen, die als Ware und Eigentum der Großfamilie betrachtet werden, ist in vielen Studien nachgewiesen worden. (Vgl. dazu Literatur u.a. von Fran Hosken, Nahid Toubia, Terre des Femmes, (I)NTACT, Behane Ras-Work/Inter African Commitee against Harmful traditional Practices, Efua Dorekenoo/WHO, Olayinka Koso-Thomas ).


Vorstand Akifra e.V. | Freitag, 04. Januar 2008 | Dem Autor eine E-Mail senden | zurück | nach oben

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